Do you hear the people sing? – Musicals für Jedermann

Egal ob gemeinsam mit den Rebellen der Junirevolution  Barrikaden für ein freies Frankreich bauen, zusammen mit einer Gruppe junger Erwachsene soziale Ungerechtigkeiten und Vorurteile  bekämpfen oder mit dem maskierten Phantom die Kanäle der Pariser Unterwelt befahren:
Es gibt eigentlich nichts, was man nicht mit Musicals erleben kann. Aber wie kann man die vielen wundervollen Musicals auch hier in Deutschland kennen lernen?

Musicals – die einen lieben sie, bei den anderen stößt man wohl eher auf Unverständnis. Doch was genau macht ein Musical eigentlich aus? Grundsätzlich handelt es sich hierbei um ein zweiaktiges Theaterstück, das mit Musik und Gesang eine Handlung darstellt.  Eine genauere Definition erweist sich jedoch als schwierig. Oscar Hammerstein (Komponist von The Sound of Music, Cinderella uvm.) drückte es recht passend aus: „Es sollte alles sein, was es sein möchte. Wer es nicht mag, soll zu Hause bleiben. Es gibt nur ein Element, das ein Musical unbedingt haben muss – Musik!“

Aktuell haben die Bewohner Stuttgarts das Glück für die nächsten Monate eine Großproduktion von Disneys Der Glöckner von Notre Dame besuchen zu können. Zuvor war die Produktion zwischen Mitte November bis Anfang Januar auf der Bühne des Deutschen Theaters in München zu bewundern. Mit einem detaillierten Bühnenbild, liebevoll gestalteten Kostümen und herausragenden Darstellern kann sich jeder Zuschauer für zweieinhalb Stunden in das Paris des 15. Jahrhundert begeben und gemeinsam mit Quasimodo und Esmeralda gegen das Kirchenoberhaupt Frollo auflehnen. Wer eher das Frankreich des 18. Jahrhundert bevorzugt, der ist bei einer Aufführung von Disneys Die Schöne und das Biest gut aufgehoben. Karten für Vorstellungen sind aktuell im Vorverkauf erhältlich.

Wer sich allerdings lieber in den eigenen vier Wänden in die Welt der Musicals entführen lassen möchte, der kann sich natürlich auch von professionellen Aufnahmen von Broadwayshows, wie beispielsweise die 25-jährigen Jubiläen von Les Misérables (2010) oder  Das Phantom der Oper (2011), auf dem eigenen Bildschirm verzaubern lassen. So bieten die berühmten Darsteller Sierra Boggess und Ramin Karimloo eine wahrhaft meisterliche Darstellung als Christine Daaé und das Phantom höchstpersönlich und sogar das Publikum wird Teil der Aufführung.

Doch auch alle, die einen Spielfilm bevorzugen, kommen nicht zu kurz. Eine der wohl bekanntesten Verfilmungen ist ohne Zweifel Les Misérables (2012). Mit insgesamt 8 Oscars Nominierungen (wovon er drei gewann, unter anderem für beste Nebendarstellerin für Anne Hathaway in der Rolle der Fantine) ist der Film auch für Musicalunerfahrene ein wahrer Genuss zum Ansehen. Die mitreisende Geschichte lässt jeden Zuschauer mit den Charakteren mitfiebern und auf ein glückliches Ende hoffen. Ein weiterer Klassiker ist Rent (2005). Es spricht viele noch heute aktuellen Themen an, wie beispielsweise soziale Ungleichheiten, Homophobie und AIDS, und die Verfilmung kann einige der Darsteller aus der Uraufführung von 1996 vorweisen, was einem fast das Gefühl gibt dabei gewesen zu sein. Wer es lieber weniger tragisch mag, der hat an Into the Woods (2014) mit Sicherheit seine Freude. Das Musical von Stephen Sondheim verknüpft eine Vielzahl an Märchen miteinander und  hat dennoch seine eigene Geschichte. Der Film kann viele hochkarätige Schauspieler wie Meryl Streep, Johnny Depp und Emily Blunt vorweisen und überzeugt mit einer einzigartigen Atmosphäre.

Wer Musicals kennen lernen möchte, von denen es keine professionellen Aufnahmen oder Verfilmungen gibt, dem empfiehlt sich in eines der vielen Aufnahmen der Originalen Besetzungen von Musicals rein zu hören. Aktuell in aller Munde ist das Musical Dear Evan Hansen, das dem Leben eines Teenagers nach dem Selbstmord eines Mitschülers folgt. Auch das Erfolgsmusical Hamilton hat eine großartige und außergewöhnliche Aufnahme zu bieten. Das Stück geht um die Gründerväter Amerikas, insbesondere Alexander Hamilton, der erste Finanzminister Amerikas. Das Besondere: Das Musical gehört zum Genre des Hiphops und Raps, ein extremer Gegensatz zum Inhalt der Geschichte. Und doch funktioniert es.

Es gibt also viele Arten sich auch hier in Deutschland von einem Musical verzaubern zu lassen. Für welche man sich letztlich entscheidet, das ist jedem selbst überlassen.

P.S.: Meine persönlichen Lieblingsmusicals sind neben Les Misérables und Hamilton auch noch Natasha, Pierre and the Great Comet of 1812, das einen Teil des Romans Krieg und Frieden von Leo Tolstoy auf die Bühne bringt, und Heathers, das Musical zum gleichnamigen Film (1989).

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