29.
January
2016
„Prost!“, „Stößchen!“ oder auch „Slàinte!“

„Slàinte!“ bedeutet so viel wie „Gesundheit!“ und ist ein irischer Trinkspruch, der in den Irish Public Houses Anwendung findet.
Aber warum ist gerade die irische Trinkkultur mitten hier in der Landeshauptstadt Bayerns eigentlich derzeit so beliebt? Haben wir Deutschen etwa unsere Wirtshäuser und das so angepriesene Bier endlich satt?

Nein, das wohl nicht, die bayerischen Wirtshäuser erfreuen sich noch immer voller Tische und selbst im irischen Wirtshaus werden Augustiner und Co ausgeschenkt. Wie ein heruntergefallenes Marmeladenbrot im Sommer Ameisen magisch anzuziehen scheinen, versammeln sich die Münchner in Scharen in den irischen Trinkstuben. So ist die Chance am Freitagabend um 22 Uhr einen Tisch für 4 Personen zu ergattern gefühlt 1 zu 1 Million.

Was ist also das Geheimnis hinter ihrem Erfolg? – Mal sehen: Da steht man also vor einer unscheinbaren Tür – links und rechts Schilder mit Namen wie Kennedy´s, Shamrock oder Dubliner. Hinter der Tür befindet sich meist nur eine Treppe in die Tiefe – nichts Besonderes also.Unten angekommen mischt sich stickige Luft mit Biergeruch und lautem Stimmengewirr. Erst einmal einen Platz ergattert, kann man sich in das weiche Kissen der Bänke sinken lassen. Wenn man schon einmal hier ist, gönnt man sich natürlich eines der bekannten schwarzen Biere (ein Guiness) oder teilt sich einen Pitcher Cider (Krug Apfelwein) mit seinen Freunden oder Kollegen. Man wird fast erschlagen von der üppigen Dekoration: zahlreiche alte Gemälde, Werbeschilder und Fotografien hängen an den Wänden, uralte staubige Flaschen sind aneinandergereiht und zu Events wie Weihnachten und Silvester gesellen sich zu all dem gesammelten Schnickschnack auch noch Glitzer und grellste Farben dazu. Geschmacklos möchte man meinen, vor allem wenn dazu auch noch schiefer Karaokegesang oder das Klimpern einer Amateurband von der kleinen Bühne am Ende des Raumes herüberschallt.

Doch das eigenartige: Man fühlt sich pudelwohl! In bunter Gesellschaft – darunter ruhige Hipster, Feierabendgenießer im Anzug, sich küssende Pärchen im Alter meiner Eltern, herausgeputzte Mädels im kleinen Schwarzen, bärtige Rocker und viele weitere Individuen – kann man entspannt sein Getränk zusammen mit Pulled Pork Burger und Süßkartoffelpommes genießen. In lauschiger Runde ohne Etikette mit den Händen futtern, den inneren Karaokekönig mit den schlechtesten Hits der 80er, 90er und Nuller rauslassen und Menschen kennenlernen, die man auf der Straße normalerweise nie grüßt. Irish Pubs sind ungezwungen. Sie lassen einen die Zeit vergessen. Sie sorgen für Vermischung sozialer Gruppen. Sie laden (wenn nicht zu zahlreich besucht) zum Spontanbesuch ein und sorgen für Geschichten.

Vermutlich ist es das, was viele immer mehr in die irischen Schänken zieht: Ein unbefangenes, lässiges Beisammensein und der Kontrast zur feinen Münchner High Society.

Also Alltagsklamotten anlassen und ab ins Irish Pub!

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