18.
July
2018
Tipps gegen Flugangst

Die einen lieben es und können es kaum erwarten, die anderen kriegen schon weiche Knie, wenn sie nur daran denken: Fliegen.

Ich persönlich gehöre der Kategorie 2 an und habe jedes Mal Bammel, wenn ich ein Flugzeug nur sehe. Deswegen habe ich mir meinen Mit-Azubi Dennis Balluch aus dem Ticketshop geschnappt, der seit Jahren leidenschaftlicher Vielflieger und auch selbst schon ein Flugzeug geflogen ist, und ihm ein paar Fragen zum Thema Flugangst gestellt:
 

  1. Kann ein Flugzeug einfach so abstürzen?

    „Nein, ein Flugzeug kann nicht einfach so vom Himmel fallen. Es gibt täglich Turbulenzen. Blitze schlagen ein und Triebwerke fallen aus, aber selbst im schlimmsten Notfall (z.B. bei einem Triebwerksausfall) ist ein Pilot und das Flugzeug in der Lage innerhalb von 120 km einen Flughafen im Gleitflug anzusteuern und sicher zu landen. Als kleines Beispiel: Ein Passagier müsste rund 6.500 Jahre lang jeden Tag fliegen, bis er bei einem Flugzeugunglück ums Leben kommt, das heißt die Wahrscheinlichkeit liegt damit bei weniger als einem Hunderttausendstel Prozent.“

  2. Was mache ich, wenn Turbulenzen auftreten?

    „Ruhe bewahren! Setze dich so hin, dass du mit beiden Füßen sicheren Bodenkontakt hast, versuche dich auf etwas anderes zu konzentrieren und rufe dir immer wieder selbst in Gedanken, dass ein Flugzeug viel mehr aushält als ein paar Turbulenzen. Langsam Ein- und Ausatmen oder andere Atemübungen sollen auch helfen. Einen Tipp, den ich im Internet gelesen, aber noch nicht ausprobiert habe, ist folgender: Man soll sich im Falle von Turbulenzen ein Stück Papier und einen Stift zur Hand nehmen und versuchen mit der Hand zu schreiben, mit der man normalerweise nicht schreibt. Es kreuzen sich die motorischen Funktionen im Gehirn und man trickst sich dadurch selbst aus.“

  3. Was sind Turbulenzen überhaupt? Gibt es verschiedene und wann wird es gefährlich?

    „Turbulenzen sind Veränderungen in der Luft, zum Beispiel Aufwinde und Abwinde. Diese Veränderungen führen dazu, dass es ruckelt. Es gibt verschiedene Stärken: Leichte fühlen sich an, als würde man mit einem Auto über Kopfsteinpflaster fahren. Bei mittelschweren gibt es ein paar Schlaglöcher und bei schweren Turbulenzen könnte man kaum im Flugzeug laufen. Die Piloten haben sehr genaue Wetterkarten, ein Echtzeit-Wetterradar und sind im ständigen Kontakt mit anderen Piloten und der Flugsicherung am Boden, daher schaut man immer, dass z.B. Gewitter umflogen und auch andere turbulente Gebiete vermieden werden. Gefährlich wird es deshalb eher selten, kaum ein Pilot erlebt richtig gefährliche Turbulenzen in seiner Laufbahn.“
     
  4. Welcher Sitzplatz ist der Beste?

    „Ich empfehle Sitzplätze in der Mitte des Flugzeuges oder in den vorderen Reihen. Erstens ist der Geräuschpegel geringer und zweitens nimmt man Turbulenzen dort nicht so wahr, da die Tragflächen diesen ausgleichen. Ich mag Fensterplätze am liebsten, aber viele fühlen sich wohler, wenn sie am Gang sitzen. Das bleibt wohl jedem selbst überlassen.“
     
  5. Wie schlimm ist es wirklich sein Handy anzulassen? Kann das Flugzeug davon abstürzen?

    „Nein, Abstürzen oder Ausfallen kann deswegen nichts. Es hat nur Einfluss auf das Funksystem, dort können durch die ausgesendeten Funkwellen Störungen auftreten, ähnlich wie wenn man ein Handy ans Radio hält. Dazu braucht es aber auch mehr als nur ein einziges Handy.“

  6. Wie erfolgreich sind Landungen auf dem Wasser?

    „Wenn man im richtigen Winkel auf dem Wasser landet, sind die Chancen zu überleben sogar sehr gut, da man ja quasi gleitet. Bevor das Flugzeug dann sinkt, hat man auch noch bestimmt 15 Minuten Zeit die Maschine zu verlassen. Außerdem gibt es dort nicht so viele Hindernisse wie auf Boden zu landen. Dementsprechend halte ich Landungen auf dem Wasser für erfolgreich, wenn man sie richtig durchführt.“
     
  7. Vogel, Blitzeinschlag, Hagelsturm – was ist am schlimmsten?

    „Tatsächlich gibt es mehr Blitzeinschläge als man denkt. Wir als Passagiere hören vielleicht einen lauten Knall. Da ein Flugzeug aber ein Faradayscher Käfig ist, sind wir zumindest sicher. Übrigens hat die Luftfahrbehörde errechnet, dass jedes Flugzeug mindestens einmal im Jahr vom Blitz getroffen wird. Da ist ein Hagelsturm oder eine Kollision mit einem Vogel schon schlimmer. Aber auch dafür sind Piloten ausgebildet und wissen was zu tun ist.“
     
  8. Was passiert, wenn alle Triebwerke ausfallen?

    „Dass alle Triebwerke ausfallen ist wirklich sehr unwahrscheinlich. Sollte ein Triebwerk ausfallen, könnte man sogar noch normal weiterfliegen. In einem Flugzeug ist generell alles mehrfach abgesichert. Fällt ein Computer aus, gibt es mindestens noch einen weiteren Computer. Das heißt, im Flugzeug ist immer alle mindestens doppelt abgesichert und vorhanden.“
     
  9. Wie gut sind Billig-Airlines wirklich? Wird bei der Sicherheit eingespart?

    „Der Hauptunterschied ist einfach, dass das Personal bei Low Cost Carrier nicht so viel verdient. Außerdem ist der Service an Bord nicht so ausgeprägt - die Verpflegung kostet extra, es gibt kaum Bord-Entertainment und die Beinfreiheit lässt wohl auch manchmal zu wünschen übrig. Die Sicherheit wird dadurch aber nicht beeinträchtigt."
     
  10. Deine ultimativen Tipps gegen Flugangst?
    „Ich werfe immer einen Blick ins Cockpit, bevor ich mich hinsetze. Es ist für mich total beruhigend, den Piloten zu sehen, der die Maschine fliegt. Sprich außerdem mit der Stewardess und sag ihr gleich am Anfang, dass du Flugangst hast. Stewardessen sind darauf geschult, Menschen mit dieser Angst zu unterstützen, also musst du dir deswegen nicht komisch vorkommen. Du bist mit deiner Flugangst übrigens nicht alleine. Mindestens jedem Dritten ist beim Einsteigen unwohl. Lade dir vor dem Flug ein paar Filme runter, spiel dein Lieblingsspiel am Handy, lies ein Buch, hör ein Hörbuch oder unterhalte dich einfach mit deinem Sitznachbarn. Ganz egal was, Hauptsache du wartest nicht darauf, bis es wackelt. Schau außerdem darauf, dass du immer viel Wasser (keinen Alkohol) trinkst und nicht mit leerem Magen einsteigst.

    Als kleinen Extra-Tipp empfehle ich noch die App „Flight Radar“. Diese gibt’s gratis zu holen und du kannst alle Flüge weltweit live verfolgen. Wenn du die Weltkarte öffnest, siehst du wie viele Flugzeuge gerade in der Luft sind (und das sind wirklich eine Menge). So viele Leute fliegen pro Tag durch die Gegend und kommen auch alle sicher am Boden an.

    Abschließend: Der Pilot weiß was er tut! Er hat viel technische Unterstützung und muss außerdem in regelmäßigen Abständen im Simulator Dinge trainieren, die in seiner gesamten Laufbahn nie vorkommen würden.

Wenn Fliegen also so gefährlich wäre, dann wären nicht so viele ältere Kapitäne vorne im Cockpit zu sehen.  :-)

112
haben das gesehen
76
finden das hilfreich
78
gefällt das