19.
September
2019
Vorbei mit Hotel Mama - „Hallo Selbständigkeit“

Dem einen Freud, des anderen Leid: Hotel Mama. Aber was bedeutet es eigentlich, von zu Hause auszuziehen, seinen eigenen Weg zu gehen und herauszufinden, was die große weite Welt eigentlich alles mit sich bringt?
Ich bin mit 16 Jahren von zu Hause ausgezogen und möchte daher mal meine Erfahrungen und eventuell Tipps mit euch teilen, da kürzlich das neue Ausbildungsjahr begonnen hat und ich mir vorstellen könnte, dass der eine oder andere froh über ein paar Tipps wäre :-)

 

Warum ich ausgezogen bin? Naja der springende Punkt war wohl, dass meine erste Ausbildung zur Kosmetikerin nur in Großstädten angeboten wird und die Schule dazu hier in München ist. Als ich mich dafür entschieden habe, diesen Weg zu gehen, war klar: Pendeln ist für mich keine Option, daher raus aus der Komfortzone und rein in die Großstadt. Ich muss zugeben, da ich schon sehr selbständig aufgewachsen bin, hatte ich wenig Angst und Befürchtungen. 

Über den Wohnungsmarkt in München brauche ich euch sicher nichts erzählen, kennt jeder, hatte/hat jeder damit zu kämpfen. Aber welcher Vermieter nimmt ein 16 jähriges Mädel auf? Tja, mein anfänglicher Optimismus wurde schneller getrübt als gedacht. Ich weiß wirklich nicht, wie viele Anfragen und Absagen ich bekommen habe, wie viele Wohnheime und Bleiben ich aufgesucht hatte. Erfolglos.

Wo ich letztendlich gelandet bin? In einem Wohnheim für Schüler, Studenten und Auszubildende von Caritas. Klingt jetzt für die meisten irgendwie nicht so cool, Wohnheim & dann auch noch von einem kirchlichem Träger? War’s auch nicht, da gibt es keine Widerrede. Klar war es extrem günstig, dort zu wohnen, aber schön ist dann doch auch was anderes. Anfangs wird man in ein zweier Zimmer gesteckt, weil man erst ab einem gewissen Zeitraum ein „Upgrade“ anfordern darf. Was ich dort alles erlebt habe, war echt unfassbar. Vom Beklaut werden, dass andere in meiner Abwesenheit in meinem Bett geschlafen haben, dass andere meine Handtücher benutzen bis zur Unordnung und Verdreckung der Küche und Bad, war glaub ich alles dabei. Es war schrecklich. Aber was macht man nicht alles, um in München wohnen zu können?

Dank der Ausbildung, war ich ja sowieso kaum zu Hause und da ich sehr viel unternommen hab, war es unterm Strich alles erträglich.

Was einem wirklich anfangs nicht bewusst ist: Haushalt, Finanzen, Koordination.

Diese Punkte waren so selbstverständlich im Hotel Mama. Also im Wohnheim habe ich ehrlicherweise nicht geputzt, warum auch, die anderen haben’s ja auch nicht gemacht. Aber einkaufen gehen, Wäsche waschen, kochen usw. macht sich halt leider auch nicht von alleine oder umsonst, vor allem wenn man Vollzeit arbeitet und das mit 16!

Die meisten meiner Freunde waren nämlich nicht mal mit der Schule fertig, beziehungsweise fingen gerade ein Studium an und lebten alle noch zu Hause. Selbstverständlich wird man oft eingeladen, gerade wenn man abends weggegangen ist, aber natürlich konnte ich auch nicht bei jeder Angelegenheit mit dabei sein. Was mich ziemlich frustrierte.

Irgendwie hatte ich auch immer das Gefühl, der Tag verschwindet richtig, die Stunden, die ein Tag hat, reichen niemals für das aus, was ich eigentlich zu tun hätte. Nach Schule, Haushalt, Kochen usw. war ich meistens so kaputt, dass ich kaum noch was unternommen habe. Das war aber wirklich ein großer Fehler. Irgendwann ist mir alles zu viel geworden und ich dachte wirklich ich muss meine Ausbildung abbrechen. Da ich ein sehr ehrgeiziger Mensch bin, wollte ich aber nicht aufgeben und hab recherchiert und überlegt, wie ich mein Leben einfacher gestalten kann.

Zum Thema Essen und Lebensmittel hatte ich herausgefunden, dass es verschiedenste Foodsharing Varianten gibt (zu kleinem Preis!). Man muss sich da ziemlich rein fuchsen, aber wenn man da mal drin ist, funktioniert das so gut. In der App „2good2go“ werden verschiedene Ketten angezeigt (z.B. Subway, Pommesfreunde, Olivia, usw.) die vor oder nach Ladenschluss noch ihre über gebliebenen Lebensmittel für kleinen Preis verkaufen, da diese am nächsten Tag nicht mehr soooo lecker sind. Fand ich super, da man ja meistens an irgend einem dieser Shops vorbeiläuft. Dann habe ich noch verschiedene Online Plattformen vom Foodsharing ausprobiert, bei denen Haushalte, die zu viel gekauft haben oder einfach so ihre Lebensmittel loswerden wollen, angeben konnten, was sie gerade zu verkaufen/verschenken haben, welche Menge usw. Dann kann man mit denen einen Zeitpunkt ausmachen, wann man die Sachen abholen kann, und schon hat man günstig Lebensmittel ergattert. Auch wenn es vielleicht Cent Beträge waren, zusammengedrosselt hat es sich auf jeden Fall gelohnt und ich konnte mir am Ende der Woche doch noch ein Feierabendgetränk gönnen :-)

Dann zum Thema Fitness. Natürlich wollte ich mich gerne weiterhin sportlich betätigen, aber selbst 15-20 EUR im Monat waren einfach nicht drin, um mich für ein Studio anzumelden. Dann habe ich das Freizeitangebot von München Sport entdeckt. Die bieten tolle Kurse (auch im Freien) an, für wirklich wenig Geld. Die Kursleiter haben das immer mit viel Motivation und Elan gemacht und selbst die Kommunikation bei Ausfällen war super. Von Zumba, Yoga, Pilates, Rückenfit bis schwimmen, joggen usw. waren viele tolle Angebote dabei. Kann ich wirklich sehr empfehlen, vor allem im Sommer!

 

Ansonsten kann man selbst in München freizeitmäßig ja sehr viel machen, und das trotz kleinem Geldbeutel! Museen, Parks, Flohmärkte; Festivals, Events, eine Menge Möglichkeiten um sich zu vergnügen, auch ohne massig viel Geld auszugeben.

Selbst auf’s Shoppen musste ich jetzt nicht ganz verzichten, denn die tausenden Flohmärkte, Tauschbazars oder ähnliches bieten einem tolle Angebote und sind manchmal sogar noch ziemlich Vintage, was mir ja sowieso vom Style her ziemlich gut gefällt!

 

Wie ich mich sonst organisiert habe, um Haushalt, Einkauf, Freizeit usw. unter ein Dach zu bekommen? Ich hab mir einen groben Wochenplan erstellt. Mir war wichtig, dass ich fixe Termine immer vor Augen habe und ich mir am Anfang der Woche schon die Gedanken mache, damit ich unter der Woche weniger Stress habe. Ich habe mir angewöhnt, zum Beispiel immer samstags einen Wocheneinkauf zu machen, ein-zweimal die Woche zu saugen & aufzuräumen, habe mir bewusst Puffer zum Lernen und für meine Freizeit eingeplant und Zeit, in der einfach mal nichts los ist. Das hat mir sehr geholfen, nicht den Überblick zu verlieren oder das Gefühl zu bekommen, ich hätte irgendwas Wichtiges vergessen. Was noch absolut hilfreich war: Haushaltsbuch führen! Klingt jetzt irgendwie total anstrengend, ist aber extrem wichtig, um den Überblick über seine Finanzen nicht zu verlieren! Wie ich das gemacht habe? Ich habe angefangen, mir für alles was ich kaufe, ein Beleg geben zu lassen, diese hab ich in einem Glas gesammelt und am Ende einer Woche oder Monat in ein Buch übertragen. Dann meine Ausgaben in regelmäßigen Abständen von meinen Einnahmen abgezogen & schwups wusste ich immer, ob ich grad noch Puffer habe, oder ob ich jetzt die letzten Wochen bis zum nächsten Gehalt auf Sparflamme leben muss. Ich muss sagen, dass es super funktioniert hat. Natürlich war ich auch ab und zu im Minus, aber man darf sich ja auch mal was gönnen finde ich!

Also wie ihr seht, gibt es reichlich Möglichkeiten, kostengünstig in München zu überleben, ohne auf jeglichen Spaß zu verzichten :-)

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